In allen Studiengängen der Judaistik sind Exkursionen/Projekte vorgesehen, teils im Pflichtbereich, teils im Wahlpflichtbereich.Jährlich findet eine mehrtägige Exkursion statt, die jeweils akademische Arbeit zu einem ausgewählten Thema mit Besichtigungen jüdischer Orte oder anderen gemeinschaftlichen Aktivitäten verbinden.Oft sind Begegnungen mit lokalen Judaistik-Studierenden möglich, manchmal sind die Exkursionen auch interdisziplinär.
Im Rahmen
des Projektseminars Die Genizot des deutschen Landjudentums unter
Leitung von Prof. Dr. Rebekka Voß besuchte eine Gruppe von Studierenden und
Doktorand:innen im Sommersemester 2026 das Jüdische Kulturmuseum Veitshöchheim
bei Würzburg. Ein zweitägiger Praxis-Workshop führte anhand der dort
aufbewahrten Genizafunde aus süddeutschen Synagogen in die Quellengattung der
Genizafragmente ein.
Diese
Überreste unbrauchbar gewordener hebräischer und jiddischer Schriftstücke, die
nach halachischer Vorschrift nicht vernichtet werden dürfen und daher in einem
speziellen Lager (hebr. geniza) abgelegt werden müssen, stellen eine
wichtige Quelle für die jüdische Geschichte und Kultur dar. In diesen Genizot,
wie sie in vielen Synagogen bis heute existieren, haben religiöse und
liturgische Schriften, aber auch literarische Texte, wirtschaftliche
Schriftstücke, Alltagsnotizen und Privatbriefe sowie Kultgegenstände und
Textilien wie etwa Gebetsriemen, Torahwimpel und Gebetsmäntel aus dem 16.–20.
Jahrhundert überlebt.
Mit
Unterstützung durch das Team des Genizaprojekts Veitshöchheim versuchten sich die
Teilnehmer:innen aus Frankfurt gemeinsam mit einer Gruppe von Germanistikstudent:innen
von der Universität Mannheim an der Sichtung, Dokumentation, Verifizierung und
Interpretation ausgewählter Fragmente.
Im Rahmen des internationalen Masterprogramms mit der Tel
Aviv University fand im Sommersemester 2025 ein erstes gemeinsames Blockseminar
„Early Modern Ashkenaz: Jewish Thought and Culture in the German Lands“ unter
der Leitung von Prof. Dr. Rebekka Voß (Frankfurt) und Prof. Dr. Maoz Kahana
(Tel Aviv) statt. Eine Gruppe Masterstudierender aus Israel war eine Woche im
Rhein-Main-Gebiet zu Gast, um zusammen mit Frankfurter Student:innen hebräische,
jiddische und deutsche Quellentexte zum jüdisch-christlichen Kulturkontakt im
frühneuzeitlichen Deutschland zu diskutieren. Der besondere Mehrwert der
Seminarsitzungen an historischen Orten in Frankfurt, Mainz, Worms und
Michelstadt war ein vertieftes Verständnis räumlicher Kontexte und
Konfigurationen des Zusammenlebens und Kulturtransfers.
Mit einer besonderen Exkursion
auf dem Ijsselmeer verabschiedete sich das Seminar für Judaistik von der
langjährigen Hebräischdozentin und prägenden Lehrpersönlichkeit Dr. Annelies
Kuyt, die im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen wird. Unter dem Titel „Reisen
auf dem Wasser im Judentum: Vom Talmud bis zur Haskala“ begaben sich
Studierende und Lehrende der Judaistik vom 9.-13. Juni 2025 auf ein
schwimmendes Seminar – an Bord des historischen Zweimasters Bontekoe.
Morgens wurden nach einem gemeinsamen Frühstück
literarische und historische Texte zum Thema diskutiert – von der biblischen
Jona-Erzählung und ihrer Rezeption im jiddischen Seyfer Yoyne bis zur
Geschichte des (historischen) Flüchtlingsschiffs Exodus, über
Pilgerfahrterzählungen Nahman von Bratslavs zu Reiseberichten Bertha
Pappenheims und Nachhum Goldmanns und der übersetzten Geschichte von Joachim
Kampe über Willem Bontekoes Schiff durch Mendel Lefin, von Legenden um den
mystischen Sambatyon Fluss bis zu halakhischen Fragen zu (astro)nautischen Reisen
auf den Mond.
Nach unseren Seminareinheiten hieß es: Segel
setzen, Anker einholen, Knoten üben. Unter Anleitung des entspannten
niederländischen Skippers und Matrosen lernten wir die Grundlagen der
traditionellen Seefahrt kennen, die nicht nur Muskelkraft beanspruchten,
sondern auch teambildenden Charakter hatten. Auch kulinarisch ließ die
Exkursion keine Wünsche offen: Der mitreisende Chefkoch verwöhnte die Gruppe
mit kreativen und internationalen Gerichten – von holländischem Endiviensalat
mit Kartoffelpüree über Nasigoreng und Shakshuka bis hin zu
Peanut-Butter-Jelly-Sandwiches.
Die Route führte von Enkhuizen über Makkum bis zu
einer Sandbank in der Nordsee, die bei Ebbe zu Fuß erkundet werden konnte. Ein
Highlight: barfuß über den Meeresgrund zu laufen, neben dem festgemachten
Schiff zu stehen, im kalten Wasser zu baden und einfach die Weite des
Ijsselmeers zu genießen. Nach einem regnerischen Start am ersten Tag zeigte
sich das Wetter während der restlichen Reise von seiner besten Seite: Sonne, frischer
Wind und sogar mehrere Seehundsichtungen rundeten die Reise ab.
(Bericht: Louisa Weggenmann)
Den Bericht zum interdisziplinären Blockseminar "Chassidismus, Wahhabismus, Pietismus: Religiöse Erneuerungsbewegungen in Judentum, Islam und Christentum des 18. Jahrhunderts" im Haus Bergkranz im Kleinwalsertal, 20.-25. Januar 2025 finden Sie hier.
Den Bericht zum interdisziplinären Blockseminar "Gottes Name und Gottes Namen - jüdisch und christlich" auf Hiddensee im Juni 2023 finden Sie hier.

Wo lässt sich über Fantasie und Realität in jüdischer Folklore besser diskutieren als vor einer fantastischen Kulisse wie den schneebedeckten Alpen? Und so trafen sich Studierende aus Frankfurt und Jerusalem unter der Leitung von Prof. Rebekka Voß und Dr. Dudu Rotman vom 14.-18. Januar 2023 im Gästehaus der Universität im Kleinwalsertal, um Elemente der jüdischen Folklore in ihren historischen, ethnologischen, sozial-, literatur- und kulturwissenschaftlichen Dimensionen kennenzulernen.
Vormittags fanden intensive Seminareinheiten statt, in denen die Studierenden des Folklore Studies Program der Hebräischen Universität Jerusalem spannende Themen und Projekte vorstellten. Ergänzt wurde das Programm durch Spieleabende in der hauseigenen Kellerbar „Bar Kokhba“, Schneewanderungen, einem Rodel-Ausflug und der Möglichkeit, auf eigene Faust Ski oder Snowboard zu fahren. Highlight der Exkursion war das Fantasy-Rollenspiel „Midbar Quest“, bei dem sich die Spielenden nur mit Hilfe ihrer Fantasie einer Reihe von Aufgaben und Abenteuern vor biblischer Kulisse stellen mussten. Mit Teamwork und Kreativität und dank des neugewonnenen Wissens über Figuren, Orte und Gegenstände der jüdischen Folklore konnten wir erfolgreich alle Gefahren bezwingen!
Die Exkursion ins Kleinwalsertal war für uns Studierende eine unvergessliche Erfahrung. Dazu trugen sowohl die interdisziplinären und thematisch breit angelegten Seminarsitzungen als auch die überwältigend gute Atmosphäre und der lebhafte Austausch der Studierenden untereinander bei.

Das Seminar für Judaistik veranstaltete am 14.07.2022 eine ganztägige Exkursion nach Köln.
In Köln besuchten wir das Lapidarium der Ausgrabung des mittelalterlichen jüdischen Viertels, wo uns der Leiter der Archäologischen Zone, Michael Wiehen, Funde aus der derzeit nicht zugänglichen Ausgrabung vorstellte. Danach besuchten wir die Ausstellung "In die Weite. Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland" im Kolumba Museum. Desweiteren wurde die Bibliothek "Germania Judaica" besucht, deren Leiterin Dr. Ursula Reuter uns diese Fachbibliothek zum deutschen Judentum vorstellte.

Im Rahmen des Moduls Ju-B11 fuhren Studierende des Seminars für Judaistik im Februar 2017 nach Prag. Neben einer allgemeinen Stadtführung, nahmen sie auch an einer Führung durch das jüdische Viertel sowie einem Filmabend mit Diskussion teil. Auch die Geschichte und das Gedenken des Holocaust wurde mit einer Fahrt zum KZ-Theresienstadt Gegenstand der Beschäftigung. Dank einer Kooperation mit der Partner-Uni Prag konnte diese Beschäftigung innerhalb eines Seminars mit Teilnehmenden der Prager Uni intensiviert und vor dem Hintergrund der Debatte um sogenannte Judenälteste vertieft werden. Ein weiteres Seminar war der Rolle von Erinnerungskultur in der Prager Gemeinde seit der frühen Neuzeit gewidmet.
Die Exkursion wurde geleitet von Prof. Dr. Rebekka Voß und Dr. Annelies Kuyt.
Foto: Jüdisches Rathaus Prag (Christine Schelp)
Vom 16.-19.2.2016 begaben sich 16 Studierende unter der Leitung von Prof. Dr. Rebekka Voß und Dr. Annelies Kuyt auf den Spuren jüdischer Geschichte und Kultur nach Amsterdam.
Vom 17. – 19. Mai 2013 fuhren insgesamt 25 Studenten und Mitarbeiter des Seminars für Judaistik nach Warschau um dort einen Einblick in die Geschichte der Juden in Polen zu erhalten, Kontakte mit dortigen Forschungseinrichtungen zu knüpfen und sich mit dortigen Studierenden der Hebraistik auszutauschen.
So konnten sich die Studierenden z.B. mit Prof. Dr. Barbara Kirshenblatt-Gimblett über die geplante Ausstellung im Museum of the History of Polish Jews und deren Konzeption unterhalten. Auch die Begegnung mit Helise Lieberman, der Direktorin des Taube Center for Renewal of Jewish Life in Poland war sehr lehrreich. Sie führte die Gruppe nicht nur zu den historischen jüdischen Plätzen in Warschau wie dem ehemaligen Gebiet des Warschauer Ghettos und dem jüdischen Friedhof, sondern ermöglichte den Teilnehmern auch einen Einblick in das wiederentstehende jüdische Leben im heutigen Polen. Nicht zuletzt gehörte auch ein Besuch des Emanuel Ringelblum Jewish Historical Institute und des Museum of the History of Polish Jews zur Exkursion.
Angegliedert war die Exkursion an die Lehrveranstaltung „Juden in Polen“ im Sommersemester 2013 von Jun. Prof. Dr. Rebekka Voß. In der Lehrveranstaltung wurde in die lange Geschichte der polnischen Juden eingeführt.
Finanziert wurde die Exkursion aus dem Preisgeld des 1822-Universitätspreises für exzellente Lehre, den Dr. Annelies Kuyt 2012 gewann.
Foto: Rebecca Sebbagh