Forschungs- und Dokumentationsstelle für Nachlässe in der deutschen und internationalen Afrikanistik
Das Oswin-Köhler-Archiv umfasst den geschlossenen Nachlass des Afrikanisten Oswin R. A. Köhler (1911–1996) sowie einige Teilnachlässe weiterer Vertreter seines Faches.
Das Archiv bildet die Plattform für eine zentrale afrikanistische Forschungs- und Dokumentationsstelle an der Goethe-Universität. Die Bewahrung und systematische Erschließung wissenschaftlicher Nachlässe bietet die Möglichkeit, eine bislang noch ausstehende Forschungsgeschichte deutscher Afrikanistik zu bearbeiten und kritisch fortzuführen.
Khwe-Besucher:Innen aus Namibia lernen den Umgang mit der zentralen Sammlungsdatenbank CODA der Goethe-Universität
Das Oswin-Köhler-Archiv beherbergt die weltweit größte Sammlung von Dokumenten zur Sprache und Kultur der Khwe, die der deutsche Afrikanist Oswin Köhler gemeinsam mit seinen Khwe-Informanten im Nordosten Namibias zwischen 1959 und 1992 zusammengetragen hat.
Das Oswin-Köhler-Archiv hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mitgliedern der Herkunftsgemeinschaften Zugang zu seinen Beständen zu gewähren und sie in die Erforschung und Aufbereitung dieser Bestände einzubeziehen.
Die Khwe-Sammlung umfasst Tausende von Manuskripten in der Khwe-Sprache, 99 Briefe auf Khwe, die Oswin Köhler und sein Feldassistent Ndo Tinene miteinander ausgetauscht haben, mehr als 1.600 Fotografien, eine Stunde Filmmaterial, ca. 60 Stunden Tonaufnahmen, mehr als 300 ethnografische Objekte, 162 Pflanzenpäparate und 322 Zeichnungen der Khwe. All diese Materialien sind nun über die kürzlich veröffentlichte zentrale Sammlungsdatenbank der Goethe-Universitä, CODA, zugänglich: https://www.coda.ub.uni-frankfurt.de.
Während des jüngsten Workshops, der vom 17. bis 28. August 2026 im Oswin-Köhler-Archiv stattfand, lernten die Besucher:Innen, auf die Khwe-Materialien in CODA zuzugreifen, Informationen zu suchen und zu exportieren, digitale Medien herunterzuladen sowie ausgewählte Datensätze zu bearbeiten, zu teilen und für Präsentationen zu nutzen.
Die Besucher:Innen genossen es, Aufnahmen zu betrachten, die frühere kulturelle Praktiken zeigen, und den Stimmen ihrer Vorfahren zu lauschen. Sie waren sehr daran interessiert, durch die Recherche in den umfangreichen Materialien der Datenbank mehr über ihre Kultur zu erfahren.
Die vier Besucher:Innen waren
- Justa Ngombala, Enkelin von Köhler’s erstem Informanten ǁGo-kho-dom,
- Stefanus Dikoshi, Enkel von Köhler’s langjährigem Informanten Kafuro,
- Sonner Geria, Vorsitzender des Bwabwata Khwe Custodian Committee zum Erhalt von Sprache und Kultur der Khwe,
- Mercy Iyvonne Tutco, Vertreterin der Khwe-Jugend.
Mercy über ihre Erfahrungen mit CODA, 26.8.2026:
My name is Tutco Mercy from Namibia, residing at Chetto village, Bwabwata National Park. I was invited for two weeks by Gertrud [Boden] and Sonner [Geria] to come and attend. And it is very much interesting. I have used the CODA database and it was easy. They taught me how to search for items and how to download, how to make presentations. And the most interesting thing that I learned yesterday was about our culture. I was listening and watching them when they demonstrated a burial. When a person needs to be buried, what should be done and which medicines need to be used to wash people, to bath kids and elders. And I enjoyed it. It was really … I don’t know how to say … Now I know things that need to be used. Before, when people were going deep in the bush to collect medicines to come and bath kids, I used to think it’s something different. But what I saw in the computer, tells me: ‘When I go back, do it by myself, yes!’
Khwe-Orthographie-Workshop in Mutc’iku, Bwabwata Nationalpark, Namibia
Die Khwe-Sprache ist eine der am besten dokumentierten Sprachen von San im südlichen Afrika. Es gibt ein Wörterbuch, eine Grammatik sowie zahlreiche Textbücher, darunter eine zwölfteilige Enzyklopädie mit originalsprachlichen Texten zu fast allen Bereichen der Khwe-Kultur (Köhler 1989, 1991, 1997, 2018, 2021a, 2021b, 2021c). Bislang konnte jedoch nur eine Handvoll Khwe die eigene Sprache lesen und schreiben und die zahlreichen Dokumente ihres kulturellen Erbes im Oswin-Köhler-Archiv eigenständig erkunden.
Vom 3.-14. März 2025 fand deshalb auf ausdrücklichen Wunsch von Khwe ein zweiwöchiger Orthographie-Workshop statt, finanziert aus Mitteln des Instituts für Afrikanistik der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Jutta-Vogel-Stiftung an der Universität zu Köln. Der Unterricht umfasste die Vermittlung des Khwe-Alphabetes, Erklärungen zur Markierung von Tönen und zu in den Publikationen verwandten unterschiedlichen orthographischen Konventionen, die Schreibweise von Khwe Personen- und Ortsnamen, die in offiziellen Dokumenten häufig fehlerhaft sind, eine große Zahl von Schreib- und Leseübungen, sowie Tests zur Überprüfung des Lernerfolgs. Lehrkräfte waren Sonner Geria, Thaddeus Chedau, Hendrik Mbangu und Dr. Gertrud Boden.
24 Teilnehmer*innen aus allen 12 Khwe-Dörfern im Bwabwata Nationalpark waren mit großen Enthusiasmus und Engagement bei der Sache und haben sich verpflichtet, die erworbenen Kenntnisse in ihren jeweiligen Wohnorten weiter zu verbreiten. Um dies zu erleichtern, wurde beschlossen, ein Lehrbuch mit Übungen zu drucken und vor Ort in größerer Anzahl (Auflage: 200) zur Verfügung zu stellen.




Ausstellung und Workshop erfolgreich abgeschlossen
Die im Rahmen des Besuchs von vier Khwe aus Namibia durchgeführten Workshops und die Ausstellung "We are happy to see these things" konnten erfolgreich abgeschlossen werden und endeten mit einem Pressegespräch im Schopenhauer Salon der Universitätsbibliothek.
Weitere Informationen zu den Workshops an der Universität und in der Eifel finden Sie hier.
Und zum Artikel in der FAZ vom 28.08.2023.
Khwe aus Namibia im Oswin-Köhler-Archiv
Das Oswin-Köhler-Archiv am Institut für Afrikanistik beherbergt die weltweit umfangreichste Sammlung von Dokumenten zur Sprache und Kultur der Khwe. Im August 2023 waren vier Khwe zu einem Arbeitsbesuch in Frankfurt, um gemeinsam mit Wissenschaftler*innen an den Materialien zu arbeiten, die Sammlungsdatenbank kennenzulernen und Zugangsmöglichkeiten zu diskutieren. Auf Wunsch der Besucher*innen wurden sechs Poster für eine mobile Ausstellung zur Khwe-Kultur sowie ein Büchlein mit von ihnen ausgewählten und kommentierten historischen Fotografien entworfen, mit deren Hilfe sie in Namibia junge Khwe über kulturelle Praktiken und Werte ihrer Vorfahren informieren wollen. Der dreiwöchige Aufenthalt wurde vom Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) der Goethe-Universität finanziell unterstützt.
Wir trauern um Snelia Mangonga (1982-2023), die am 1. Oktober 2023, kurz nach ihrer Rückkehr nach Namibia, bei einem Autounfall ums Leben kam. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie.
Workshop zu Wahrnehmung und Beschreibung von Umweltphänomenen
Während ihres Besuchs am Oswin-Köhler-Archiv der Goethe-Universität im August 2023 nahmen vier Khwe aus dem namibischen Bwabwata Nationalpark auch an einem dreitägigen Workshop zu Wahrnehmung und Beschreibung von Umweltphänomenen im Nationalpark Eifel teil. Die übrigen Teilnehmenden waren Angestellte des Nationalparks Eifel sowie Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität, der Universität zu Köln und der Ruhr-Universität Bochum. Unter Leitung von Frau Dr. Gertrud Boden gingen die Teilnehmenden anhand von Experimenten, die zum Teil im Gelände stattfanden, der Frage nach, wie Menschen mit unterschiedlichen Biographien und Hintergründen sich in einer mehr oder weniger bekannten Umwelt orientieren und welche Einheiten und Zusammenhänge sie wahrnehmen. Der Workshop ist Teil ihres DFG-Projektes „Potenziale einer Sammlung“, in dem es unter anderem um die Frage geht, inwiefern die darin zur Anwendung kommenden akademischen Ordnungskategorien dem Umwelterleben der Angehörigen der Herkunftsgemeinschaft der Sammlung entspricht.
Link zu Pressemitteilung des Nationalparks Eifel:
BeständeNachlass Oswin R. A. Köhler (1911-1996) |
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Oswin Köhler bei der Arbeit im Forschungslager Dikundu/Namibia |

