PD. Dr. Klaus Beyer (†)
Nachruf
*6. Dezember 1963
†17. Februar 2026

Das Institut für Afrikanistik der Goethe-Universität Frankfurt am Main trauert um PD Dr. habil. Klaus Beyer.
Klaus Beyer war seit 2010 im Rahmen einer Reihe von Drittmittelprojekten Teil der Frankfurter Afrikanistik. Seit dem Sommersemester 2025 vertrat er eine W2-Professur an unserem Institut. Zum 1. April 2026 hätte er bei uns ein Forschungsvorhaben mit dreijähriger Laufzeit beginnen sollen – ein Projekt, für das er selbst einmal mehr erfolgreich die Mittel eingeworben hatte. Doch am Ende war seine Krankheit stärker.
Sein Studium an der Universität Bayreuth hatte Klaus Beyer 1993 mit einer Magisterarbeit bei Franz Rottland abgeschlossen. Das Thema der Arbeit waren lexikalische Entlehnungen aus Mandesprachen in das Songhay. Auch seine 1998 erschienene Dissertation mit dem Titel Pferde, Schwerter, Macht: Eine historisch-vergleichende Studie zu Kulturwortfeldern in den Oti-Volta-Sprachen befasste sich mit lexikalischer Evidenz in den Kulturwortschätzen einer Gruppe westafrikanischer Sprachen im Raum Burkina Faso-Togo-Benin-Ghana. Bei den Oti-Volta-Sprachen handelt es sich um eine Unterfamilie der Gur- bzw. Mabia-Sprachen. Eine andere Unterfamilie ist die der Gurunsisprachen. Zu ihnen zählt auch das vor allem im Nordwesten Burkina Fasos gesprochene Pana, mit dem sich Klaus Beyer anschließend über mehrere Jahre intensiv befasste. Seine vielzitierte Monographie aus dem Jahr 2006 mit dem Titel La langue pana (Burkina Faso): description linguistique, lexique, textes ist von zentraler Bedeutung für unser typologisches und sprachhistorisches Verständnis der Gur-/Mabiasprachen. Diese Veröffentlichung ging seiner Habilitation an der Humboldt-Universität zu Berlin im Jahr 2010 voraus, in der er diachronen Sprachwandel im Pana in den Vordergrund stellt und insbesondere die soziolinguistischen Rahmenbedingungen als kausale Faktoren divergenter und konvergenter Prozesse ins Blickfeld rückt.
Klaus Beyer war fasziniert von sozialen Prozessen und natürlicher kommunikativer Performanz, die in sprachlichen Strukturen ihren Ausdruck finden. Sein breit gefächertes Interesse reichte von historischem Sprachwandel zu synchronen Prozessen der Entwicklung von Jugendsprachen in afrikanischen Städten. Eindrücklicher und prägnanter als durch Gudrun Miehe in ihrer Trauerrede lässt es sich kaum beschreiben: „Seit seiner Magister-Arbeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle seine Arbeiten die Frage: Wie verändert sich Sprache und welchen Anteil daran haben die Sprecher selbst, aber vor allem auch, welchen Anteil haben daran anderssprachige Nachbarn. Dieses gegenseitige Wechselspiel hat [Klaus Beyer] von Anfang an und immer wieder fasziniert! Und es ging ihm eben nicht mehr nur um die jeweilige ‚normative‘ Sprachstruktur, sondern zunehmend um die idiolektale Ebene.“
Charakteristisch für die Forschung Klaus Beyers sind die immersiven, langfristigen Beziehungen, die er zu den Menschen, mit denen er in Afrika arbeitete, unterhielt – zuletzt im Norden Kameruns. In Ngaoundéré zeichnete er mit Motorradtaxifahrern und Werkstättenbetreibern hochkomplexe mehrsprachige Alltagssprache auf und analysierte diese. Die Methoden, die er dabei zur Anwendung brachte, waren in höchstem Maße innovativ und originell, wobei er auch die klassische afrikanistische Arbeit nie aus dem Blick verlor. Seine aktuellen Arbeiten zum Mbum, einer Adamawa-Sprache, zeugen eindrücklich davon.
Im Rahmen des Projektes, dessen Beginn für dieses Jahr vorgesehen war, wollte er sich der Erforschung multilingualer Sprachökologien in Westafrika widmen. Ausgehend von seinen Erfahrungen vor allem in Burkina Faso und Kamerun sprach er dabei von diffusen Sprachsystemen. Für ihn standen dabei die Menschen im Vordergrund, die als Sprecherinnen und Sprecher verschiedener Sprachen in unterschiedlichen Funktionen in Kontakt zueinander traten. Die Kommunikation entlang sozialer Netzwerkstrukturen und deren Effekte auf sprachliche Strukturen waren für Klaus das zentrale Thema seiner afrikanistischen Laufbahn.
Seine Forschungen führte Klaus Beyer seit 2010 vom Frankfurter Institut für Afrikanistik aus durch, wobei er stets die engen Kontakte zu seinen akademischen Partnerinnen und Partnern in Berlin, Hamburg, Bayreuth und Mainz aufrechterhielt und als Team-Player kollaborativ arbeitete.
Wir, die wir das Glück hatten, während seiner Frankfurter Zeit eng mit ihm zusammenarbeiten zu können, haben Klaus Beyer hoch geschätzt. Ebenso war er bei den Studierenden überaus beliebt. Neben seiner fachlichen Kompetenz zeichneten ihn die ihm eigene ruhige Art, eine unerschütterliche Zuversicht und sein Humor aus. Er vermittelte so stets eine Begeisterung für afrikanistische Anliegen, die sich auf sein gesamtes Umfeld übertrug. Auch über seinen viel zu frühen Tod hinaus wird dies in uns fortwirken.
Frankfurt am Main, im März 2026
